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Risikobericht

Die Identifizierung und Steuerung von potentiellen Risiken ist für ein Unternehmen ebenso wichtig wie das Erkennen und Nutzen von Chancen. Um Risiken frühzeitig und konsequent zu handhaben, setzt die ProSiebenSat.1 Group wirksame Steuerungs- und Kontrollsysteme ein. Die Gesamtrisikolage wird dadurch stets in einem tragbaren Rahmen gehalten, eine Gefährdung des Unternehmens ist derzeit nicht absehbar.

Gesamtaussage zur Risikolage aus Sicht der Unternehmensleitung

Die globale Medienindustrie unterliegt stetigen Marktveränderungen und einem intensiven Wettbewerb. Wir sind operativ und strategisch gut positioniert, um von der Dynamik der Märkte zu profitieren und diese als Wachstumschance für das TV-Geschäft nutzen zu können. Gleichzeitig ist unser unternehmerisches Handeln darauf ausgerichtet, mögliche Risiken zu erfassen und aktiv zu steuern.

In den vergangenen Jahren haben wir unsere Wertschöpfungskette rund um das werbefinanzierte TV-Geschäft konsequent diversifiziert und damit die Weichen für künftiges Umsatzwachstum auch außerhalb des TV-Geschäfts gestellt. Bereits im Jahr 2013 erwirtschafteten wir 29,5 Prozent unserer Erlöse außerhalb des klassischen TV-Werbegeschäfts. Zugleich haben wir den Konzern in den vergangenen Monaten noch effizienter aufgestellt und unser Unternehmensportfolio weiter optimiert. Finanziell und bilanziell steht der Konzern auf einem weiterhin soliden Fundament. Wir bewerten die Risiken zum Zeitpunkt der Erstellung des Lageberichts als begrenzt, die Gesamtrisikolage ist beherrschbar. Gegenüber dem 31. Dezember 2012 hat sich keine grundlegende Änderung der Gesamtrisikolage ergeben. Es sind derzeit keine Risiken erkennbar, die einzeln oder in Wechselwirkung mit anderen Risiken zu einer maßgeblichen bzw. dauerhaften Beeinträchtigung der Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der ProSiebenSat.1 Group führen könnten. Diese drohen auch für den Prognosezeitraum von zwei Jahren nicht.

Risikomanagementsystem

Unser Geschäft wird von einer Reihe externer und interner Größen beeinflusst, die neben zahlreichen Chancen auch Risiken bergen. Risiko ist in vorliegendem Bericht als mögliche künftige Entwicklung respektive Ereignis definiert, das zu einer negativen Ziel- bzw. Prognoseabweichung führen könnte. Damit fallen jene Risikoausprägungen, die wir bereits in unserer finanziellen Planung berücksichtigt haben, nicht unter diese Risikodefinition und werden daher nicht in vorliegendem Risikobericht erläutert.

Klare Entscheidungsstrukturen, einheitliche Richtlinien und methodisches Vorgehen sind Grundvoraussetzung für den konzernweit sicheren Umgang mit Risiken. Angesichts der Dynamik der Medienbranche und der zunehmenden Vielfalt der Geschäftsfelder der ProSiebenSat.1 Group müssen Prozesse und Organisation dabei so flexibel gestaltet sein, dass jederzeit angemessen auf neue Situationen reagiert werden kann. Die ProSiebenSat.1 Group hat daher ein systematisches Risikomanagementsystem etabliert, das auf die speziellen Gegebenheiten des Konzerns ausgerichtet ist und unsere Tochtergesellschaften in den Prozess einbezieht. Nachfolgend werden die wesentlichen Stufen des Risikomanagementprozesses dargestellt:

Am Beginn des Prozesses steht die Identifikation der wesentlichen Risiken. Dabei werden Risiken, die eine bestimmte Wesentlichkeitsgrenze überschreiten, adhoc von dem „Group Risk and Compliance Officer“ an den Vorstand und Aufsichtsrat berichtet. Das unterjährige Reporting über relevante Risiken orientiert sich an spezifischen Ausprägungen und erfolgt auf Basis eines Soll-Ist-Vergleichs. Dazu wurden für alle bedeutenden Risikobereiche Frühwarnindikatoren definiert. Im Rahmen der Risikobewertung werden alle relevanten Risiken in den Dimensionen Grad der Auswirkung auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage sowie geschätzter Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Die Skalen zur Messung der beiden Bewertungsgrößen (Eintrittswahrscheinlichkeit und Grad der Auswirkung) sowie die daraus resultierende Risikoklassifizierungsmatrix sind in der folgenden Tabelle dargestellt.

Risikoklassifizierung


Entsprechend dem potentiellen Grad der Auswirkung auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage sowie der geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit wird das Risiko als „Gering“, „Mittel“ oder „Hoch“ klassifiziert.

Teil der Risikobeurteilung ist auch die Analyse von Ursachen und Wechselwirkungen. Chancen fließen in die Bewertung nicht mit ein; sie werden im Rahmen der Planungsrechnung erfasst. Der dritte Schritt umfasst schließlich die Risikosteuerung. Sobald ein Indikator eine bestimmte Toleranzgrenze erreicht, werden Gegenmaßnahmen entwickelt und eingeleitet. Die definierten Maßnahmen und Risiken werden im Rahmen unterjähriger Berichte dokumentiert und verfolgt.

Für das Erfassen und Melden der Risiken sind dezentrale Risikomanager in den verschiedenen Unternehmenseinheiten verantwortlich. Die Manager kategorisieren die Risiken nach einem konzernweit geltenden Katalog und dokumentieren ihre Ergebnisse quartalsweise in einer Datenbank. Der „Group Risk and Compliance Officer“ berichtet die gemeldeten Risiken regelmäßig an den Vorstand und den Aufsichtsrat. Zusätzlich zur vierteljährlichen Berichterstattung werden die Risiken bei Bedarf auch adhoc gemeldet. Vorstand und Aufsichtsrat erhalten auf diesem Weg alle entscheidungsrelevanten Analysen und Daten, um auf sich abzeichnende Gefährdungen proaktiv zu reagieren. Das Risk and Compliance Office unterstützt die verschiedenen Unternehmensbereiche jedoch nicht nur bei der Risikofrüherkennung. Durch Schulungen der dezentralen Risikomanager und eine kontinuierliche Prüfung des Risikokonsolidierungskreises stellt das Ressort auch die Effektivität und Aktualität des Systems sicher. Darüber hinaus prüft der Bereich Internal Audit regelmäßig die Qualität und Ordnungsmäßigkeit des Risikomanagementsystems. Die Ergebnisse werden direkt an den Finanzvorstand des Konzerns berichtet.

Auch im Jahr 2013 hat die Prüfung des Risikomanagementsystems zu einem positiven Ergebnis geführt. Das System selbst hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt nicht verändert. Grundlage für die Prüfung ist das sogenannte Risikomanagementhandbuch, das unternehmensspezifische Grundsätze zusammenfasst und auf dem international anerkannten Standard COSO (Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission) basiert.

Folgende Grafik gibt einen Überblick über die einzelnen Schritte des Risikomanagementprozesses:

Risikomanagementprozess im Ablauf

Entwicklung der Risikocluster

Risikokategorien und Gesamtrisikolage

Die Gesamtrisikosituation wird durch Bewertung der Risikocluster aller Risikokategorien in den verschiedenen Geschäftsfeldern und Segmenten ermittelt (Externe Risiken, Vertriebsrisiken, Content-Risiken, Technologische Risiken, Organisatorische Risiken, Finanzwirtschaftliche Risiken, Compliance-Risiken) und ist das Ergebnis der konsolidierten Betrachtung der drei Risikokategorien des Konzerns: Operative Risiken, Finanzwirtschaftliche Risiken und Compliance-Risiken. Risikocluster, die aus heutiger Sicht unsere Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage wesentlich beeinflussen könnten, stellen wir nachfolgend dar. Dies sind nicht notwendigerweise die einzigen Risiken, denen der Konzern ausgesetzt ist. Weitere Risiken, die unsere Geschäftstätigkeit beeinflussen könnten, sind uns derzeit jedoch nicht bekannt oder wir schätzen diese als nicht substantiell ein. Wir bewerten die Gesamtrisikolage für den Konzern und seine Segmente als beherrschbar.

Entwicklung der Risikocluster und der Gesamtrisikolage zum 31. Dezember 2013

Operative Risiken

Operative Risiken

Wesentliche SteuerungsmaßnahmenExterne Risiken: Fortlaufende Analyse von Konjunktur- und Branchentrends, strategische Markenpositionierung

Vertriebsrisiken: Regelmäßige und systematische Bewertung der Werbeerlöse und Marktposition, diversifizierter Kundenstamm

Content-Risiken: Langfristige Beziehungen mit Lizenzgebern und enger Kontakt zu Produzenten, vertragliche Absicherung von Exklusiv-Rechten, Aufbau einer Inhouse-Produktionseinheit

Technologische Risiken: Regelmäßige Investitionen in technologische Infrastruktur und IT-Updates, Back-up-Systeme zur Risikominimierung möglicher Ausfälle der Studio- und Sendetechnik

Organisatorische Risiken: Überwachung der Personalkennzahlen, strategische Personalrekrutierungs- und Entwicklungsprogramme
Ein effektives Risikomanagement ist nicht zuletzt aufgrund der branchentypisch geringen Visibilität des Werbemarktes und der Kurzfristigkeit der Buchung von TV-Werbung von großer Bedeutung für die ProSiebenSat.1 Group. Unsere Erfahrungen im TV-Werbemarkt, unser Know-how im Mediensektor, klare Organisationsstrukturen und qualifizierte Mitarbeiter ermöglichen den angemessenen Umgang mit operativen Risiken und die Umsetzung von wirksamen Maßnahmen zu ihrer Reduzierung. Den konjunkturellen Herausforderungen - der poteniell größte externe Risikofaktor - begegnen wir mit systematischem Kosten- und Effizienzmanagement. Zudem optimieren wir unser Risikoprofil, indem wir durch konsequente Investitionen in Wachstumsbereiche unsere Abhängigkeit von einzelnen Märkten reduzieren und zugleich die Digitalisierung als Wachstumschance für unsere TV- und Online-Geschäft nutzen.

Externe Risiken

Makroökonomische Risiken. Nach derzeitiger Einschätzung der Forschungsinstitute dürfte der deutsche TV-Werbemarkt 2014 um rund drei Prozent netto wachsen. Dieses Wachstum ist zum einen auf die positiven Konjunkturaussichten, zum anderen aber auf die strukturelle Schwäche der Print-Medien zurückzuführen. Für Onlinewerbung werden weiterhin hohe Wachstumsraten von knapp zehn Prozent erwartet. Die Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission für Österreich und die Schweiz fallen mit plus 1,6 bzw. plus 1,8 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt ebenfalls recht optimistisch aus. Entsprechend positiv sollten sich die Werbemärkte entwickeln. Die TV-Werbemärkte sind durch eine vergleichsweise geringe Marktvisibiltät gekennzeichnet und reagieren aufgrund ihrer engen Verknüpfung mit den konjunkturellen Rahmenbedingungen oftmals prozyklisch auf gesamtwirtschaftliche Entwicklungen: Bei positiven Konjunkturaussichten steigen neben der Investitionsbereitschaft der Unternehmen auch die Werbeausgaben. Umgekehrt reagieren die Unternehmen bei wirtschaftlicher Abkühlung oftmals äußerst kurzfristig mit Kürzungen ihrer Werbebudgets. Neben der Kurzfristigkeit im Buchungsverhalten begrenzt die hohe Bedeutung des vierten Quartals, in dem der Konzern den Großteil seiner Umsätze realisiert, die Visibilität. Bei einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur können wir daher potentiell erhebliche Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Vor dem Hintergrund der positiven Konjunkturaussichten schätzen wir den Eintritt dieses Risikos für das Jahr 2014 jedoch als unwahrscheinlich ein. Insgesamt stufen wir dieses Risiko als mittleres Risiko ein.

Zur nachhaltigen Optimierung unseres Risikoprofils investiert der Konzern konsequent in neue Wachstumsmärkte. 2013 erzielte der Konzern bereits 29,5 Prozent seiner Erlöse außerhalb des klassischen TV-Werbegeschäfts - eine Steigerung um 5,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Allgemeine Branchenrisiken (Mediennutzungsverhalten). Fernsehen ist nach wie vor das Kerngeschäft der ProSiebenSat.1 Group. Mit Aufkommen der digitalen Medien Ende der 90er Jahre verbreitete sich die Annahme, dass klassische Medien wie Fernsehen signifikant an Bedeutung verlieren könnten. Durch die Diversifizierung der Bildschirmmedien können Bewegtbild-Inhalte über immer mehr Geräte wie Laptops, Smartphones oder Tablet-PCs aufgerufen werden. Die Abwanderung zu mobilen Endgeräten bzw. eine rückläufige TV-Nutzung stellt daher für die ProSiebenSat.1 Group ein potentielles Risiko dar. Während Printmedien jedoch im Zuge der Digitalisierung tatsächlich einem starken Substitutionsdruck ausgesetzt sind, ist Fernsehen nach wie vor das am längsten genutzte Medium: Laut einer Studie der SevenOne Media GmbH stieg der Medienkonsum im Jahr 2013 auf 594 Minuten und erreichte mit knapp 10 Stunden pro Tag einen neuen Rekordwert. Mehr als ein Drittel des Medienbudgets entfällt auf TV. Wir gehen davon aus, dass durch technologische Innovationen wie HD auch in Zukunft Fernsehen das zentrale Bildschirmmedium sein wird. Haupttreiber der steigenden Gesamtnutzungsdauer ist mit 115 Minuten jedoch das Internet. Im Zuge der Digitalisierung zeichnen sich dabei zwei Trends ab: Die Verbreitung mobiler Geräte wie Tablet-PCs oder Smartphones sowie der zeit- und ortsunabhängige Abruf von Bewegtbild- Inhalten steigen auch in Deutschland stetig. Gleichzeitig werden TV und Online zunehmend additiv genutzt. Insbesondere bei den Digital Natives ist die Parallel-Nutzung weit verbreitet. Vier von fünf der 14-29 Jährigen schauen TV und sind gleichzeitig im Netz.

Hinsichtlich der Werbewirkung ist TV ebenfalls nach wie vor das effektivste Medium. Dabei gibt Fernsehen vielfach gar den Initialimpuls, Inhalte online zu bestellen. So hat beispielsweise bereits jeder Vierte (24 %) im Anschluss an einen TV-Kontakt ein Produkt direkt online gekauft. Aus diesem Grund investierten Werbetreibende mit einem Anteil von 45,0 Prozent am gesamten deutschen Brutto-Werbemarkt auch im Jahr 2013 den Großteil ihrer Budgets in TV
(Vorjahr: 43,3 %).

Fernsehen ist vom Angebot der neuen Medien nicht negativ betroffen, sondern weiterhin Leitmedium — sowohl im Zuschauer- als auch im Werbemarkt. Gleichzeitig ist das Internet fest in den Alltag integriert. 95 Prozent der Befragten besitzen heute ein oder mehrere Second Screen-Devices. Die Voraussetzungen für die Verzahnung von TV und Internet sind also in nahezu allen deutschen Haushalten vorhanden. In den vergangenen Jahren hat die ProSiebenSat.1 Group mit maxdome das führende Online-Video-Portal in Deutschland etabliert, ein breites Online-Netzwerk aufgebaut und MyVideo als Web-Kanal positioniert. Das Unternehmen verfügt heute über ein attraktives Online-Portfolio, das die TV-Kanäle synergetisch ergänzt und die veränderten Bedürfnisse der Mediennutzer bedient. ProSiebenSat.1 ist daher sehr gut positioniert, um den Wandel in der Mediennutzung als Wachstumschance für das klassische TV-Geschäft und die digitalen Aktivitäten zu nutzen. Daher schätzen wir den Eintritt dieses Risikos als unwahrscheinlich ein. Dennoch können wir potentiell wesentliche Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir stufen dieses Risiko daher als mittleres Risiko ein.

Um auch in Zukunft für den Wettbewerb gerüstet zu sein, betreibt ProSiebenSat.1 kontinuierliche Marktforschung und investiert in eine strategische Positionierung ihrer Marken.

Vertriebsrisiken

Vermarktung von Werbezeiten. Die ProSiebensat.1 Group erzielt den Großteil ihrer Umsätze aus dem Verkauf von Werbeflächen, insbesondere von TV-Werbezeiten. Dabei besetzt der Konzern führende Marktpositionen im Werbemarkt — in Deutschland sowohl im TV-Sektor als auch in der Onlinebranche. Trotz unserer starken Marktstellung stellen rückläufige Werbebudgets, der mögliche Verlust von Großkunden sowie ein sinkendes Preisniveau bei der Werbezeitenvermarktung ein potentielles Risiko für uns dar. Allerdings verfügt SevenOne Media, der ProSiebenSat.1-Werbezeitenvermarkter für den deutschen Markt, bereits seit Jahren über einen stabilen Kundenstamm aus den unterschiedlichsten Sektoren. Zu den Branchen mit den höchsten TV-Werbeausgaben und damit der höchsten Werberelevanz gehörten im Jahr 2013 Ernährung, Körperpflege, Handel, Dienstleistungen und Telekommunikation. Auf diese Top-5 Branchen entfällt auch bei der ProSiebenSat.1 Group der Großteil der TV-Werbeumsätze. Mit unserem diversifizierten Kundenportfolio können wir mögliche Forderungsausfälle einzelner Werbekunden kompensieren. Neben dem Ausbau der bestehenden Kundenbeziehungen haben wir in den vergangenen Jahren unser Neukundengeschäft substantiell ausgebaut und im Jahr 2013 zugleich bei den größten Werbeagenturen höhere Werbeumsätze generiert. Über höhere Einnahmen aus klassischen Werbespots hinaus konnten wir die Vermarktung von freien TV-Werbeflächen nach dem Prinzip „Werbezeiten gegen Umsatz- bzw. Unternehmensbeteiligung“ weiter steigern. Auf diese Weise nutzt das Unternehmen nicht nur Programm- und Werbekapazitäten effizient — wir setzen auch zusätzliche Werbebudgets frei. Ziel ist es, den Anteil von TV-Werbung am gesamten Werbemarkt mittelfristig zu erhöhen. Um mögliche Vertriebsrisiken frühzeitig zu identifizieren, werden Werbeerlöse und Werbemarktanteile regelmäßig analysiert. Durch den Vergleich von Ist- und Planwerten mit den entsprechenden Vorjahreswerten können Budgetabweichungen erkannt und Gegenmaßnahmen wie Kostenanpassungen oder Änderungen in der Programmplanung und Preispolitik auch kurzfristig umgesetzt werden.

Trotz unserer führenden Marktstellung schätzen wir den Eintritt dieses Risikos als möglich ein. Bei rückläufigen Werbebudgets und sinkenden Preisen können wir potentiell erhebliche Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir stufen dieses Risiko daher als mittleres Risiko ein.

Zuschauermarktanteile. Ein weiterer Frühwarnindikator sind Zuschauerquoten: Sie spiegeln wider, ob ein Programmangebot dem Publikumsgeschmack entspricht — und damit wie hoch die Reichweite einer Sendung bzw. eines Werbespots ist. Die täglichen Zuschauermarktanteile stellen einen wichtigen Leistungsnachweis für unsere Werbekunden dar, kurzfristige Schwankungen bei den Marktanteilsquoten beeinflussen die Werbeeinbuchungen jedoch nicht. Zur Risikoüberwachung werden die Zuschauermarktanteile auf Grundlage von Daten der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung täglich ausgewertet. Dadurch sind wir in der Lage, den Erfolg unserer Formate äußerst engmaschig zu kontrollieren und bei Bedarf jederzeit gegenzusteuern. Zusätzlich zu quantitativen Auswertungen stellen qualitative Studien ein wichtiges Kontrollinstrument dar. Im Jahr 2013 hat die ProSiebenSat.1-Programmforschung dazu erneut eng mit verschiedenen Instituten zusammengearbeitet. Sie haben im Auftrag von ProSiebenSat.1 zahlreiche Telefonund Online-Interviews oder Gruppendiskussionen mit Zuschauern in Deutschland geführt. So erhalten die Sender ein unmittelbares Feedback von ihrem Publikum und können ihre Programme kontinuierlich optimieren und weiterentwickeln. 2013 hat die ProSiebenSat.1 Group ihren Zuschauermarktanteil ausgebaut. Dabei ist es uns gelungen, moderate Preissteigerungen in allen Märkten durchzusetzen. Der Marktanteil des deutschen Senderportfolios stieg 2013 auf 28,1 Prozent (Vorjahr: 27,8 %). Damit ist die Senderfamilie nicht nur bei den Werbekunden, sondern auch bei den Zuschauern Marktführer vor der RTL-Gruppe. Unser Portfolio besteht aus komplementär positionierten TV-Sendern, die verschiedene Kernzielgruppen ansprechen. Mögliche Marktanteilsschwächen oder kurzfristige Schwankungen bei einzelnen TV-Sendern können so untereinander kompensiert werden.

Im Zuge der Digitalisierung haben sich die bestehenden Markteintrittsbarrieren für neue Wettbewerber durch sinkende Produktions- und Übertragungskosten deutlich verringert, so dass die Zahl der TV-Sender kontinuierlich wächst. Es ist jedoch davon auszugehen, dass etablierte Sendermarken wie ProSieben oder SAT.1 aufgrund ihrer Bekanntheit auch in Zukunft den Markt prägen. Gleichzeitig erweitern wir unsere komplementär aufgestellte Senderfamilie sukzessive um neue Sender mit eigenen Markenprofilen: Nachdem der im Jahr 2010 gestartete Frauensender sixx in kürzester Zeit Zuschauermarktanteile von bis zu 1,2 Prozent (Gesamtjahr 2013, E14–49) erzielte, gingen im Jahr 2013 zwei weitere Sender on air. Insgesamt hat der Konzern in den vergangenen Jahren erfolgreich sechs neue Sender in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegründet. Auch unsere jungen TV-Sender verfügen über ein zielgruppenspezifisches Programmprofil mit Alleinstellungsmerkmal. So richtet sich zum Beispiel ProSieben MAXX vornehmlich an die männliche Zielgruppe und schließt mit der exklusiven Ausstrahlung von englischsprachigen Serienhits im Originalton mit Untertiteln eine bisherige Marktlücke.

Trotz unserer umfangreichen Maßnahmen zur Risikofrüherkennung und der erzielten Erfolge halten wir den Eintritt dieses Risikos für möglich. Bei Eintritt dieses Risikos können wir potentiell erhebliche Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir stufen dieses Risiko daher als mittleres Risiko ein.

Medienkonvergenz. Die hohe Marktdurchdringung mit konvergenten Endgeräten wie Tablets oder Smartphones führt dazu, dass Bewegtbildinhalte auch online unabhängig vom TV-Gerät abgerufen werden können. Damit konkurriert das Fernsehen zunehmend mit neuen Medienangeboten, was sowohl mit Chancen als auch mit Risiken verbunden ist. So könnte sich der Konsum von Bewegtbildinhalten verstärkt auf mobile Endgeräte verlagern und zu einer rückläufigen TV-Nutzung führen. Dies könnte sich negativ auf die TV-Einbuchungen unserer Werbekunden auswirken und damit auch das Preisniveau von TV-Werbezeiten negativ beeinflussen. Obwohl wir eine starke Marktposition sowohl im TV- als auch im Digitalgeschäft einnehmen und konsequent Synergien zwischen beiden Bereichen nutzen, schätzen wir den Eintritt dieses Risikos als möglich ein und können potentiell erhebliche Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir bewerten dieses Risiko daher als mittleres Risiko.

Die aktive Steuerung von Vertriebsrisiken steht im Fokus des Managements der operativen Risiken. Angesichts der zunehmenden Marktfragmentierung sind Reichweite und Markenbekanntheitsgrad auch zukünftig die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren.

Content–Risiken

Neben starken Marken ist die Qualität von Inhalten ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für die ProSiebenSat.1 Group. Der Konzern verfügt über attraktive Programme, arbeitet mit mehr als 100 renommierten Lizenzgebern eng zusammen und hat mit Red Arrow eine eigene Produktionseinheit für die Entwicklung von attraktiven Programmen etabliert.

Lizenzeinkauf. Die ProSiebenSat.1 Group bezieht einen großen Teil ihrer Spielfilme, Fernsehfilme und Serien als Lizenzprogramme von Dritten, mit starkem Fokus auf die großen US-Studios. Neben Währungsrisiken ist der Konzern damit auch dem Risiko möglicher Preissteigerungen ausgesetzt. Dies gilt vor allem für die kleineren Sender der ProSiebenSat.1 Group, die mit den digitalen TV-Ablegern des finanzstarken öffentlich-rechtlichen Rundfunks konkurrieren. Während für die wachsende Zahl der kleinen Free-TV-Sender aufgrund ihrer fokussierten Zielgruppenprofile immer häufiger Einzeleinkäufe notwendig sind, ist der Preiswettbewerb für die großen Programmpakete nach wie vor limitiert. Enge und langjährige Geschäftsbeziehungen mit den Lizenzgebern sowie ein hohes Einkaufsvolumen sichern unsere starke Verhandlungsposition.

Um frühzeitig über neue Produktionen und Trends informiert zu sein, steht unser Lizenzeinkauf in ständigem Austausch mit internationalen und nationalen Lizenzgebern. Neue Programme und Exklusivität sind ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Exklusiv-Vereinbarungen im Sinne von vertraglichen Sperrfristen, sogenannte Hold-Back-Klauseln, schützen unsere Rechte gegenüber anderen Lizenznehmern und Programmverwertungsformen. Oftmals werden Programmverträge bereits auf Drehbuchbasis und damit einige Zeit vor Produktion und Ausstrahlung abgeschlossen. Der frühzeitige Abschluss von Programmverträgen birgt naturgemäß ein gewisses Risiko im Blick auf Qualität und Erfolg. Daher schließt das Unternehmen Programmverträge ausschließlich mit Filmstudios bzw. Produktionsgesellschaften ab, die eine entsprechende Erfolgshistorie und Reputation nachweisen können. Vor diesem Hintergrund schätzen wir den Eintritt dieses Risikos als sehr unwahrscheinlich ein. Dennoch können wir moderate negative Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschließen. Insgesamt stufen wir dieses Risiko als gering ein.

Auftrags- und Eigenproduktionen. Die ProSiebenSat.1 Group achtet bei ihren TV-Sendern auf ein individuelles, insgesamt aber ausgewogenes Verhältnis von Lizenzprogrammen einerseits und Auftrags- und Eigenproduktionen andererseits. Lokale Produktionen und Formate werden speziell für einzelne Sender konzipiert. Sie schärfen den Wiedererkennungswert eines Senders und können teilweise kostengünstiger hergestellt werden. Aus diesem Grund wird es für einen Medienkonzern immer wichtiger, hochwertiges Programm selbst zu produzieren. Mit der Gründung eines eigenen Produktionsarms, der Red Arrow Entertainment Group, hat der Konzern hierfür den Grundstein gelegt und zugleich seine Wertschöpfungskette erweitert. Aufgrund von zum Teil fehlenden Referenzwerten wie Zuschauerquoten sind die Erfolgschancen von Auftrags- und Eigenproduktionen jedoch tendenziell ungewisser als bei gekauften Format- oder Programmlizenzen, die bereits in anderen Ländern oder im Kino erfolgreich waren. Um die Attraktivität von eigenproduzierten Formaten so zuverlässig wie möglich einschätzen zu können, betreibt ProSiebenSat.1 eine intensive Marktanalyse. So begleiten Forscher mit unterschiedlichsten Methoden die Entwicklung neuer Programme, zum Teil bereits in der Konzept- oder Drehbuchphase. Ein häufig angewendetes Instrument sind sogenannte Real-Time-Response-Tests (RTR). Sie kommen dann zum Einsatz, wenn es bereits erste Sequenzen oder eine Pilotfolge zu neuen TV-Formaten gibt. Bei Programmvorführungen dokumentieren Testpersonen mithilfe einer Art Fernbedienung ihre Stimmungen und Empfindungen sekundengenau und in Echtzeit. Eine weitere Maßnahme zur Risikobegrenzung stellt das „Format Management“ dar. Hierbei handelt es sich um eine Optimierung des Programmzulassungsprozesses, die zwei Hauptziele verfolgt: maßgeschneiderte Programmideen für spezielle Sendeplätze zu konzipieren und einheitliche Entwicklungs- und Herstellungsprozesse zu etablieren, ohne den kreativen Spielraum einzuengen. Obwohl wir den Eintritt dieses Risikos als unwahrscheinlich ansehen, können wir moderate negative Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir bewerten dieses Risiko insgesamt als gering.

Der Wettbewerb um attraktive Inhalte hat sich infolge einer zunehmenden Professionalisierung auch im Netz intensiviert. Als TV-Unternehmen profitiert ProSiebenSat.1 von dieser Entwicklung. Aufgrund unserer umfassenden Rechtebibliothek stellen wir Zuschauern bzw. Nutzern hochwertiges Bewegtbild-Inventar auch online zur Verfügung. Dieser Service ist für User zumeist kostenlos und finanziert sich über Online-Videowerbung. Seit 2013 produziert das Unternehmen zudem Formate speziell für die Online-Zielgruppe. Mit Maßnahmen wie diesen stärkt das Unternehmen seine führende Marktstellung und sichert zugleich seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Internetanbietern wie Google, die über Distributionswege, nicht aber über eigene Inhalte verfügen.

Technologische Risiken

Die Sicherstellung eines störungsfreien Sendebetriebs hat für die ProSiebenSat.1 Group hohe Priorität. Dies gilt auch für Systemausfälle und den Datenschutz. Eine fehlerhafte technolgische Infrastuktur kann sich negativ auf unser Umsatz- und Kostenniveau auswirken.

Sendetechnik und Studiobetrieb. Eine Beeinträchtigung der Studio- und Sendetechnik kann finanzielle Folgen für die ProSiebenSat.1 Group haben: Werbekunden könnten aufgrund vorübergehender Ausfälle oder kurzfristiger Programmänderungen Garantie- und Kulanzansprüche stellen. Diesem Risiko begegnen wir mit einem umfassenden Sicherheitskonzept. So gewährleisten Back-up-Systeme auch in einem Störfall einen reibungslosen Ablauf. Die Redundanz-Systeme sind räumlich getrennt. Ständige Wartung und bedarfsgerechte Aufrüstung halten die Systeme auf dem neuestem Stand der Technik.

Die ProSiebenSat.1 Group hat bereits vor Jahren ihren Sendebetrieb vollständig digitalisiert und die Inhalte der TV-Sender und Online-Plattformen auf eine gemeinsame Plattform transferiert. Mit diesem digitalen Materialpool hat der Konzern nicht nur Standards in der Medienbranche gesetzt, sondern auch Zeit-, Qualitäts- und Kostenvorteile gehoben. In einem zweiten Schritt hat das Unternehmen im Jahr 2013 die technische Ausstattung des Studiobetriebs erneuert. Die Automatisierung technischer Prozesse verringert die Abhängigkeit von manuellen Abläufen und trägt so zur Risikominimierung bei.

Aufgrund umfangreicher Back-up-Lösungen und systematischer Kontrollen schätzen wir den Eintritt dieses Risiko als unwahrscheinlich ein. Geringe negative Auswirkungen auf unsere Umsatzund Ergebnisentwicklung können jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Wir stufen dieses Risiko daher als geringes Risiko ein.

IT-Risiken. Die wachsende Komplexität der Systemlandschaft stellt den Konzern vor vielfältige Herausforderungen: Ausfälle von Systemen, Applikationen oder von Netzwerken stellen ebenso potentielle Risiken dar wie Verletzungen von Datenintegrität und -vertraulichkeit. Die Sicherheitsstandards werden regelmäßig von der Internen Revision auf ihre Wirksamkeit geprüft. Übungen zu Krisenszenarien helfen, mögliche Schwächen zu simulieren und das IT-System weiter zu optimieren. Die ProSiebenSat.1 Group investiert kontinuierlich in Hard- und Software, Firewall-Systeme, Virenscanner sowie Zugangs- und Zugriffskontrollen. Um Schäden zu vermeiden verfügt der Konzern zudem über mehrere räumlich voneinander getrennte Rechenzentren, deren Aufgaben bei Systemausfällen vom jeweils anderen Rechenzentrum übernommen werden können. Im Jahr 2013 hat der Konzern alle relevanten Businessapplikationen umfangreichen Tests unterzogen; die Redundanz der Systeme konnte bestätigt werden. Neben informationstechnischen Risiken könnten die Produktionsabläufe auch durch unvorhersehbare Ereignisse wie z.B. Naturkatastrophen beeinträchtigt sein. Klare Verantwortlichkeiten und Handlungsanweisungen sind gerade in einem Notfall entscheidend. Aus diesem Grund hat die ProSiebenSat.1 Group eine umfassende Sicherheitsrichtlinie zur Bewältigung von Notfällen verabschiedet und eine Krisenorganisation etabliert.

Obwohl wir den Eintritt dieses Risikos als unwahrscheinlich einschätzen, können wir geringe negative Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Dieses Risiko stufen wir daher als gering ein.

Organisatorische Risiken

Personalrisiken. Es sind unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die mit ihrem Engagement und ihren Fähigkeiten die Transformation der ProSiebensat.1 Group zu einem Broadcasting, Digital Entertainment und Commerce Powerhouse prägen. Der Verlust von Fach- und Führungskräften auf Schlüsselpositionen oder Engpässe bei der Rekrutierung von Mitarbeitern stellen für ProSiebenSat.1 potentielle Risiken dar.

Im Zuge der Digitalisierung steigt der Bedarf an qualifizierten Fach- und Führungskräften, vor allem in unseren Wachstumsbereichen. Proaktive Rekrutierung, zielgruppenadäquate Bewerberansprache und enge Beziehungen zu Hochschulen sind daher im Wettbewerb um Talente entscheidend. Weitere Bausteine unseres Personalmanagements sind die bedarfsgerechte Kompetenzentwicklung und ein nachhaltiges Performance- und Talentmanagementsystem, das unter anderem die Nachfolgeplanung für Schlüsselpositionen frühzeitig umsetzt. In den vergangenen Jahren hat der Konzern die Angebote der hauseigenen ProSiebenSat.1 Academy ausgebaut und spezielle Förderprogramme wie die Learning Expeditions entwickelt. Vielfältige Weiterbildungsund Entwicklungschancen sowie eine attraktive Vergütung binden unsere Mitarbeiter langfristig und machen uns zu einem bevorzugten Arbeitgeber. Dies spiegelt die durchschnittliche Fluktuationsrate wider, die sich im Jahr 2013 um weitere 0,8 Prozentpunkte auf 10,6 Prozent verringerte.

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit blieb mit 7,3 Jahren stabil. Neben den relevanten Personalkennzahlen dokumentieren verschieden externe Studien die Arbeitgeberattraktivität von ProSiebenSat.1. 

Aufgrund unserer umfangreichen Personalmaßnahmen schätzen wir den Eintritt der Personalrisiken als unwahrscheinlich ein, können jedoch moderate negative Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir stufen diese Risiken daher als gering ein.

Risiken aus dem Outsourcing von Geschäftsprozessen. Der Konzern hat ausgewählte IT-Bereiche sowie weitere Geschäftsprozesse teilweise an externe Dienstleister ausgelagert, um Kosten- und Effizienzvorteile zu realisieren. Gleichzeitig sind mit dem Outsourcing potentielle Risiken verbunden, unter anderem mögliche Abhängigkeiten vom strategischen Partner oder ein Know-How- Verlust. Zur Risikominimierung arbeitet ProSiebenSat.1 ausschliesslich mit ausgewählten und renommierten Dienstleistern zusammen. Neben einer engen, kontinuierlichen Abstimmung werden die vereinbarten Serviceleistungen anhand eines monatlichen Reportings überwacht, das alle wesentlichen Kriterien zur Betriebssicherheit abdeckt. So können kritische Geschäftsprozesse frühzeitig identifiziert und bei Bedarf Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Durch die strikte Einhaltung der Internationalen Norm für IT Sicherheit, ISO 27001 werden IT-Sicherheitsrisiken weiter minimiert. Obwohl wir den Eintritt dieses Risikos als unwahrscheinlich ansehen, können wir moderate negative Auswirkungen auf unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Insgesamt stufen wir dieses Risiko als gering ein.

Finanzwirtschaftliche Risiken

Die ProSiebenSat.1 Group ist im Rahmen ihrer laufenden Geschäftstätigkeit und aufgrund ihrer Fremdfinanzierung verschiedenen finanzwirtschaftlichen Risiken ausgesetzt. Veränderungen von Wechselkursen und Liquiditätsengpässe können sich zudem negativ auf die Ertrags-, Finanzund Vermögenslage auswirken. Der Eintritt der finanzwirtschaftlichen Risiken wird insgesamt jedoch weiterhin als sehr unwahrscheinlich eingestuft. Im Dezember 2012 hat die ProSiebenSat.1 Group ihre Fernseh- und Radio-Aktivitäten in Nordeuropa veräußert. Die Transaktion wurde im April 2013 vollzogen. Der Konzern hat aus dem Verkaufserlös einen Teilbetrag in Höhe von 500,0 Mio Euro zur vorzeitigen Rückführung endfälliger Darlehensverbindlichkeiten verwendet. Damit hat der Konzern das Finanzierungsrisiko, sein potentiell höchstes finanzwirtschaftliches Risiko, weiter reduziert. Bereits im Jahr 2011 hatte die Gruppe einen signifikanten Teil ihrer Darlehen vorzeitig zurückgeführt. Im Zuge der Darlehensreduzierung hat der Konzern die Laufzeit sämtlicher verbliebener endfälliger Darlehen von 1,860 Mrd Euro sowie der Betriebsmittelkreditlinien bis Juli 2018 verlängert. Dies hat die Kapitalstruktur des Konzerns weiter nachhaltig verbessert.

Die ProSiebenSat.1 Group steht finanziell und operativ auf einem soliden Fundament. Ungeachtet dessen betreibt die ProSiebenSat.1 Group ein intensives Monitoring ihrer finanzwirtschaftlichen Risikopositionen. Für die Steuerung der finanzwirtschaftlichen Risiken ist der Bereich Group Finance & Treasury zentral verantwortlich. Die Steuerungsmaßnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit dem Konzernvorstand definiert. Richtlinien mit konzernweiter Gültigkeit regeln Grundsätze, Aufgaben und Zuständigkeiten des Finanzrisikomanagements einheitlich für alle Tochtergesellschaften der ProSiebenSat.1 Media AG. Die Bereiche Finanzen und Treasury werden im Rahmen des Risikomanagements jährlich von der Internen Revision systematisch geprüft. Auch die letzte Prüfung hat zu einem positiven Ergebnis geführt. Weitere Informationen zu den Sicherungsinstrumenten, Bewertungen und Sensitivitätsanalysen sowie eine detaillierte Beschreibung des Risikomanagementsystems in Bezug auf Finanzinstrumente enthält der Konzernanhang.

Finanzierungsrisiko. Die Verfügbarkeit der bestehenden Kreditmittel hängt insbesondere von der Einhaltung bestimmter vertraglicher Bestimmungen ab, die einer regelmäßigen Prüfung unterliegen. Die Bestimmungen der Kreditverträge (Financial Covenants) wurden auch im Geschäftsjahr 2013 eingehalten; ein Verstoß ist auf Basis unserer derzeitigen Unternehmensplanung auch für die folgenden Jahre nicht absehbar. Der Konzern beobachtet Änderungen an den Geld- und Kapitalmärkten kontinuierlich, um die Verfügbarkeit von bzw. den Zugang zu ausreichenden Finanzierungsmitteln und die Kosteneffizienz der eingesetzten Finanzierungsinstrumente jederzeit zu gewährleisten. Wir schätzen den Eintritt dieses Risikos als sehr unwahrscheinlich ein, können jedoch potentiell wesentliche Auswirkungen auf unsere Ergebnisentwicklung und die Finanzlage nicht vollständig ausschliessen. Insgesamt stufen wir das Finanzierungsrisiko als gering ein.

Ausfallrisiken. Der Konzern schließt Finanz- und Treasury-Geschäfte ausschließlich mit Geschäftspartnern ab, die hohe Bonitätsanforderungen erfüllen. Der Abschluss von Finanz- und Treasury-Geschäften ist in einer internen Kontrahentenrichtlinie geregelt. Neben der Vornahme einer Bonitätsprüfung begrenzt ProSiebenSat.1 die Eintrittswahrscheinlichkeit von Ausfallrisiken durch eine breite Streuung der Kontrahenten. Obwohl wir den Eintritt dieses Risikos als sehr unwahrscheinlich ansehen, können wir potentiell erhebliche Auswirkungen auf unsere Ergebnisentwicklung und die Finanzlage nicht vollständig ausschliessen. Insgesamt bewerten wir die Ausfallrisiken als gering.

Zinsrisiken. Die ProSiebenSat.1 Group setzt Zinsswaps und Zinsoptionen ein, um ihre variabel verzinslichen Darlehen gegen Zinsänderungsrisiken abzusichern. In geringem Umfang können sich Zinsänderungsrisiken im Fall von Barinanspruchnahmen aus der revolvierenden Kreditfazilität ergeben. Zum 31. Dezember 2013 bestand keine Barinanspruchnahme des RCF, 86 Prozent der Term Loans waren über Zinsderivate gesichert. Im Zuge der Laufzeitverlängerung der Finanzierungsdarlehen im Betrag von 1,860 Mrd Euro bis Juli 2018 wurden auch derivative Zinssicherungsgeschäfte im Volumen von 1,350 Mrd Euro im Zeitraum von 2016 bis 2018 abgeschlossen. Wir halten den Eintritt dieses Risikos für unwahrscheinlich. Sollte dieses Risiko dennoch eintreten, können wir geringe negative Auswirkungen auf unsere Ergebnisentwicklung und die Finanzlage nicht vollständig ausschliessen. Wir schätzen die Zinsrisiken daher als gering ein.

Währungsrisiken. Währungsschwankungen können das operative Geschäft der ProSiebenSat.1 Group beeinflussen. Währungsrisiken entstehen vor allem, wenn Umsatzerlöse in einer anderen Währung anfallen als die damit zusammenhängenden Kosten (Transaktionsrisiko). Dies trifft vor allem für den Lizenzeinkauf zu, da die ProSiebenSat.1 Group einen wesentlichen Teil ihrer Lizenzverträge mit Produktionsstudios in den USA abschließt und die finanziellen Verpflichtungen hieraus in der Regel in US-Dollar erfüllt. Der Konzern steuert dieses Risiko durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente, insbesondere Devisentermingeschäfte. Aufgrund der hohen Absicherungsquote werden die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen als überschaubar eingeschätzt. Wir schätzen den Eintritt dieser Risiken als unwahrscheinlich ein, können jedoch geringe negative Auswirkungen auf unsere Ergebnisentwicklung und die Finanzlage nicht vollständig ausschliessen. Wir stufen die Währunsgsrisiken daher insgesamt als gering ein.

Liquiditätsrisiken. Das Liquiditätsrisiko wird auf Basis eines Cash-Management-Systems zentral gesteuert. Der wichtigste Frühwarnindikator ist dabei der zu erwartende freie Liquiditätsspielraum. Dieser wird durch die Gegenüberstellung von tatsächlich verfügbaren Mitteln und Planwerten unter Berücksichtigung saisonaler Einflussfaktoren ermittelt und regelmäßig bewertet. Wir beurteilen die Liquidität des Konzerns nach wie vor als gut und gehen davon aus, auch in den kommenden Jahren ausreichend Liquiditätsspielraum zu haben. Größere Barinvestitionen sind nicht geplant. Mit Media-for-Equity- und Media-for-Revenue-Share hat der Konzern ein attraktives Modell entwickelt, neue Märkte zu erschließen — ohne größere Barinvestitionen zu tätigen. Obwohl wir den Eintritt dieses Risikos als sehr unwahrscheinlich ansehen, können wir potentiell wesentliche Auswirkungen auf unsere Finanz- und Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Insgesamt bewerten wir die Liquiditätsrisiken als gering.

Finanzwirtschaftliche Risiken

Wesentliche SteuerungsmaßnahmenFinanzierungsrisiken: Laufende Überwachung der Financial Covenants

Zins- und Währungsrisiken: Gezielter Einsatz derivativer Finanzinstrumente

Liquiditätsrisiken: Sicherung der Zahlungsfähigkeit durch ein zentrales Cash-Management-System, laufende Überwachung des Liquiditätsspielraums

Ausfallrisiken: Breite Basis an Kapitalgebern und strenge Bonitätsprüfungen
Zins- und Wechselkursschwankungen oder der Ausfall von Kreditgebern könnten die Finanzierungssituation bzw. Liquidität des Konzerns erheblich belasten. Wir begegnen diesen Risiken mit umfangreichen Maßnahmen, sodass wir ihren Eintritt insgesamt als sehr unwahrscheinlich einstufen.

Angaben zum internen Kontroll- und Risikomanagementsystem im Hinblick auf den (Konzern-) Rechnungslegungsprozess (§ 315 Abs. 2 Nr. 5 HGB) mit Erläuterungen

Das interne Kontroll- und Risiko­management­system im Hinblick auf den (Konzern-)Rechnungs­legungs­prozess soll sicherstellen, dass Geschäftsvorfälle im Konzernab-schluss der ProSiebenSat.1 Media AG (aufgestellt nach den International Financial Reporting Standards, IFRS) bilanziell richtig abgebildet und die Vermögens­werte und Schulden damit hinsichtlich Ansatz, Bewertung und Ausweis zutreffend erfasst sind. Die konzernweite Einhaltung gesetzlicher und unternehmensinterner Vorschriften ist Voraussetzung hierfür. Umfang und Ausrichtung der implementierten Systeme wurden vomVorstand anhand der für den ProSiebenSat.1-Konzern spezi­fi­schen Anforderungen ausgestaltet. Diese werden regel­mäßig überprüft und gegebenenfalls aktualisiert. Trotz ange­messener und funktions­fähiger Systeme kann eine absolute Sicherheit zur voll­ständigen Identifi­zierung und Steuerung der Risiken nicht gewähr­leistet werden. Die unternehmens­­spezi­fi­schen Grund­sätze und Verfahren zur Sicherung der Wirksamkeit und Ordnungs­mäßigkeit der (Konzern-)Rechnungs­legung werden im Folgenden erläutert.
Ziele des Risikomanagementsystems in Bezug auf RechnungslegungsprozesseDer Vorstand der ProSiebenSat.1 Media AG versteht das interne Kontroll­system im Hinblick auf den Rechnungs­legungs­prozess als Teil­bereich des konzern­weiten Risiko­management­systems. Durch die Implementierung von Kontrollen soll hinreichende Sicherheit erlangt werden, dass trotz der identifizierten Bilanzierungs-, Bewertungs- und Ausweis­risiken ein regelungskonformer (Konzern-) Abschluss erstellt wird. Die wesentlichen Ziele eines Risiko­­anagement­­systems in Bezug auf die (Konzern-)Rechnungs­legungs­prozesse sind:

> Identifizierung von Risiken, die das Ziel der Regelungs­konformität des (Konzern-)Abschlusses gefährden könnten.

> Begrenzung bereits erkannter Risiken durch Identifikation und Umsetzung angemessener Maßnahmen.

> Überprüfung erkannter Risiken hinsichtlich eines möglichen Einflusses auf den (Konzern-)Abschluss und die entsprechende Berück­sichtigung dieser Risiken.
Des Weiteren haben wir im vergangenen Jahr unsere Prozess­­be­­schrei­bungen sowie unsere Risiko­kontroll­matrizen aktualisiert. Dabei standen die Ver­einheitli­chung der Be­schrei­bungen und das Etablieren wirksamer Kontroll­mechanismen im Vorder­grund. Diese Update­vorgänge sowie regel­mäßige Tests auf Basis von Stich­proben waren Teil des Projekts PRIME und sind seitdem integraler Bestandteil des internen Kontroll- und Risikomanagementsystemsim Hinblick auf den (Konzern-)Rechnungs­legungs­prozess. Basierend auf den Test­ergeb­nissen erfolgt eine Ein­schätzung, ob die Kontrollen angemessen ausgestaltet und wirksam sind. Erkannte Kontroll­schwächen werden unter Beachtung ihrer potentiellen Aus­wirkungen behoben.
Aufbauorganisation> Die wesentlichen in den Konzernabschluss einbezogenen Ab­schlüsse der Einzel­gesellschaften werden unter Zuhilfenahme von Standard­software erstellt.

> Die Konsolidierung der Einzelabschlüsse zum Konzernabschluss erfolgt mithilfe einer modernen, hocheffizienten Standardsoftware.

> Die Abschlüsse der wesentlichen Einzelgesellschaften werden sowohl nach lokalen Rechnungslegungsvorschriften als auch nach dem auf IFRS basierten Bilanzierungshandbuch aufgestellt, das allen in den Rechnungslegungsprozess eingebundenen Mitarbeitern über das konzernweite Intranet verfügbar gemacht wird. Die in den Konzernabschluss einbezogenen Einzelgesellschaften übermitteln ihre Abschlüsse in einem vorgegebenen Format an das Konzern­rechnungs­wesen.

> Die eingesetzten Finanzsysteme sind durch entsprechende Zugangs- und Zugriffskontrollen (Berechtigungskonzepte) geschützt.

> Es existiert für den gesamten Konzern ein einheitlicher Positions­plan, nach dem die betreffenden Geschäftsvorfälle zu buchen sind.

> Die Ermittlung bestimmter rechnungs­legungs­relevanter Sach­verhalte (z. B. Gutachten zur Pensionsrückstellung, Bewertung des Aktienoptionsplans, Wert­haltigkeits­test bei immateriellen Vermögens­werten) wird unter Mitwirkung externer Experten vorgenommen.

> Die wesentlichen Funktionen im Rechnungslegungsprozess - Accounting & Taxes, Controlling sowie Finance & Treasury - sind klar getrennt. Die Verantwortungsbereiche sind eindeutig zugeordnet.

> Die am Rechnungslegungsprozess beteiligten Abteilungen und Bereiche werden in quantitativer und qualitativer Hinsicht angemessen ausgestattet. Es finden regelmäßig fachliche Schulungen statt, um eine Abschlusserstellung auf verlässlichem Niveau zu gewährleisten.

> Ein angemessenes Richtlinienwesen (z.B. Bilanzierungs­hand­buch, Ver­rechnungs­preis­richtlinie, Einkaufs­richtlinie, Reisekostenrichtlinie etc.) ist eingerichtet und wird bei Bedarf aktualisiert.

> Die Wirksamkeit des internen Kontrollsystems in Bezug auf die rechnungslegungsrelevanten Prozesse wird (in Stichproben) durch den prozessunabhängigen Bereich Internal Audit überprüft.
Ablauforganisation> Für die Planung, Überwachung und Optimierung des Prozesses zur Erstellung des Konzernabschlusses existiert ein benutzer­freundliches, web­basiertes Tool, das einen detaillierten Abschluss­kalender sowie alle wichtigen Aktivitäten, Meilen­steine und Verant­wortlich­keiten beinhaltet. Allen Aktivitäten und Meilensteinen sind konkrete Zeitvorgaben zugeordnet. Die Einhaltung der Berichts­pflichten und -fristen wird zentral durch das Konzern­rechnungs­wesen überwacht.

> Bei allen rechnungslegungs­bezogenen Prozessen werden Kontrollen wie Funktions­trennung, Vier-Augen-Prinzip, Genehmi­gungs- und Freigabeverfahren sowie Plausi­bili­sierungen vorgenommen.

> Es besteht eine klare Zuordnung der Aufgaben bei der Erstellung des Konzern­abschlusses (z.B. Abstimmung konzerninterner Salden, Kapital­konsolidierung, Überwachung der Berichtsfristen und Berichtsqualität in Bezug auf die Daten der einbezogenen Unter­nehmen etc.). Für spezielle fachliche Fragestellungen und komplexe Bilanzierungs­sach­verhalte fungiert das Konzern­rechnungswesen als zentraler Ansprechpartner.

> Alle wesentlichen in den Konzern­abschluss einbezogenen Informationen werden umfangreichen systemtechnischen Validierungen unterzogen, um die Vollständigkeit und Verlässlichkeit der Daten zu gewährleisten.

> Risiken, die sich auf den (Konzern-)Rechnungslegungsprozess beziehen, werden kontinuierlich im Rahmen des im Risikobericht beschriebenen Risikomanagementprozesses erfasst und über­wacht.

Compliance-Risiken

Aus unserer Geschäftstätigkeit ergeben sich neben operativen und finanzwirtschaftlichen Risiken vielfältige rechtliche Risiken. Ergebnisse von Rechtsstreitigkeiten und Verfahren können unserem Geschäft, unserer Reputation oder unseren Marken erheblichen Schaden zufügen und hohe Kosten verursachen. Rechtliche Risiken begrenzen wir unter anderem durch die Zusammenarbeit mit hochqualifizierten Rechtsexperten und die gezielte Schulung unserer Mitarbeiter. Der Konzern bildet zudem Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten, wenn eine gegenwärtige Verpflichtung aufgrund eines Ereignisses der Vergangenheit besteht, es wahrscheinlich ist, dass deren Erfüllung einen Abfluss von Ressourcen erfordert, die wirtschaftlichen Nutzen hat, und die Verpflichtung verlässlich geschätzt werden kann.

Wir stufen die Risiken einzelner rechtlicher bzw. medienpolitischer Änderungen oder gesetzlicher Verstöße als unterschiedlich hoch ein — sowohl hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit als auch bezogen auf ihre potentiellen finanziellen Folgen.

Allgemeine Compliance

Ziel von Compliance ist die Gewährleistung einer jederzeit und in jeder Hinsicht einwandfreien Geschäftsführung. Mögliche Verletzungen von gesetzlichen Vorschriften und Meldepflichten, Verstöße gegen den Deutschen Corporate Governance Kodex oder mangelnde Transparenz der Unternehmensführung können die Regelkonformität gefährden. Aus diesem Grund hat die ProSiebenSat.1 Group einen konzernweit gültigen Code of Compliance etabliert, der den Mitarbeitern konkrete Verhaltensregeln für verschiedene berufliche Situationen gibt. Eine effektive zusätzliche Maßnahme zur Vorbeugung gegen mögliche Compliance-Verstöße sind individuelle Mitarbeiterschulungen zu speziellen Themen wie kartellrechtliche Fragen oder dem richtigen Umgang mit Insider-Informationen.

Zur Prävention möglicher Verstöße hat die ProSiebenSat.1 Group ein Compliance Board implementiert, das sich aus Rechtsexperten, Mitarbeitern der internen Revision und operativen Bereichen zusammensetzt. Das Compliance Board hat die Aufgabe, mögliche widerrechtliche Handlungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Eine weitere Aufgabe des Compliance Board besteht darin, Sicherheitsvorkehrungen gegen mögliche externe Bedrohungen wie Sabotageakte zu treffen. Das Thema Betriebsschutz hat gerade für einen TV-Konzern mit einer hohen Öffentlichkeitswirksamkeit eine große Bedeutung. Die ProSiebenSat.1 Group hat daher verschiedene Maßnahmen ergriffen, um eine umfassende Sicherung der Betriebseinrichtungen zu realisieren. Dazu zählen eine moderne Zutrittskontrolltechnik und qualifiziertes Sicherheitspersonal.

Die Arbeit des Compliance Board wird zentral vom Group Risk and Compliance Officer des Konzerns koordiniert. Seine Aufgabe ist es auch, sich über rechtliche Entwicklungen und mögliche internationale Gesetzesänderungen zu informieren, um geeignete Maßnahmen frühzeitig anzustoßen. Zur Stärkung der Compliance-Organisation wurden ergänzende dezentrale Strukturen implementiert. Der regelmäßige Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Information über aktuelle Entwicklungen in den verschiedenen Unternehmensbereichen haben das Risikoniveau reduziert. Die Prozesse wurden von einem unabhängigen Berater analysiert. Das Ergebnis dieser Risikobewertung belegt, dass die existierenden Compliance-Prozesse effektiv sind. In Bezug auf die Umsetzung des geltenden Kartellrechts wurde ProSiebenSat.1 als „best in class“ beurteilt.

Angesichts unserer effektiven Compliance-Strukturen halten wir den Eintritt dieses Risikos für unwahrscheinlich, können jedoch moderate negative Auswirkungen auf die Ergebnisentwicklung des Konzerns nicht vollständig ausschliessen. Insgesamt stufen wir das Risiko aus allgemeiner Compliance als geringes Risiko ein.

Sonstige rechtliche Risiken

Medienrecht/Sendelizenzen

Regionalfenster. Zur Sicherung der Meinungsvielfalt ist etwa die SAT.1 Satelliten Fernsehen GmbH gemäß Rundfunkstaatsvertrag (RStV) gesetzlich verpflichtet, Regionalprogramme für insgesamt fünf Verbreitungsgebiete zu finanzieren und in der Hauptsendezeit parallel auszustrahlen. Darüber hinaus haben die Bundesländer jeweils eigene Mediengesetze verabschiedet, die grundsätzlich Fensterverpflichtungen vorsehen können. So fordert z.B. das saarländische Mediengesetz, dass mindestens in den zwei bundesweiten privaten Fernsehprogrammen mit der größten technischen Reichweite landesweit regionale Fensterprogramme geschaltet werden müssen, deren Finanzierung durch den Veranstalter der bundesweiten Programme sicherzustellen ist. Die ProSiebenSat.1 Media AG, respektive die SAT.1 Satelliten Fernsehen GmbH, hat gegen die Verpflichtung zu einem saarländischen Fensterprogramm den Rechtsweg beschritten und aus formalen Gründen das Verfahren gewonnen. In der Sache gibt es bislang keine inhaltliche Entscheidung. Es kann daher sein, dass das Saarland die Forderung aufrechterhält und erneut in ein Verfahren eintritt. Im Rahmen der medienpolitischen Diskussion der Länder können Forderungen aus Bundesländern, in denen bislang keine Fensterverpflichtungen vorliegen, entstehen. Die Finanzierung eines neuen Regionalfensters würde sich schätzungsweise auf rund fünf Mio Euro pro Jahr belaufen. Um einer Ausweitung weiterer regionaler TV-Verpflichtungen entgegenzuwirken, beteiligt sich die ProSiebenSat.1 Media AG aktiv am gesellschaftlichen, medienpolitischen und rechtlichen Diskurs.

Regulatorische Risiken. Die ProSiebenSat.1 Group ist insbesondere Risiken im Zusammenhang mit verschärften Bestimmungen, zum Beispiel zu Werbung, Werbeformen, Sendelizenzen und Gewinnspielen, ausgesetzt. Etwaige unvorhergesehene Veränderungen der rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen können wesentliche Auswirkungen auf einzelne Geschäftsaktivitäten haben. Die ProSiebenSat.1 Group verfolgt alle relevanten Entwicklungen aktiv und steht mit den zuständigen Regulierungsbehörden in ständigem Kontakt, um eine bestmögliche Berücksichtigung ihrer Interessen zu gewährleisten.

Wir halten den Eintritt dieser Risiken für unwahrscheinlich. Sollte dieses Risiko dennoch eintreten, können wir moderate negative Auswirkungen auf unsere Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Insgesamt bewerten wir diese Risiken als gering.

Auskunfts- und Schadensersatzklagen der RTL 2 Fernsehen GmbH & Co. KG und El Cartel Media GmbH & Co. KG. Seit dem 10. November 2008 ist eine Auskunfts- und Schadensersatzklage der RTL 2 Fernsehen GmbH & Co. KG und El Cartel Media GmbH & Co. KG gegen die SevenOne Media GmbH und die Sender SAT.1 Satelliten Fernsehen GmbH, ProSieben Television GmbH, kabel eins Fernsehen GmbH und die (mittlerweile aus dem Konzern ausgeschiedene) N24 Gesellschaft für Nachrichten und Zeitgeschehen mbH vor dem Landgericht Düsseldorf anhängig. Die Klägerin macht Auskunfts- und Schadensersatzansprüche im Zusammenhang mit der Vermarktung von Werbezeiten durch die SevenOne Media GmbH geltend. Am 13. April 2012 hat das Landgericht beschlossen, ein Sachverständigengutachten über die Schadenswahrscheinlichkeit einzuholen. Ein Gutachter wurde inzwischen bestellt. Wann dieser sein Gutachten vorlegen wird, ist offen. Der Ausgang des Verfahrens ist derzeit noch nicht prognostizierbar. Eine Rückstellung wurde zum Bilanzstichtag daher nicht gebildet. Wir halten den Eintritt dieses Riskos für möglich und können moderate negative Auswirkungen auf unsere Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir stufen dieses Risiko daher als mittleres Risiko ein.

Abschluss der Verfahren der TM-TV GmbH und MTV/VIMN gegen SevenOne Media GmbH und die ProSiebenSat.1-Sendergesellschaften. Seit dem 10. November 2008 waren verschiedene Auskunfts- und Schadensersatzklagen gegen die SevenOne Media GmbH und die ProSiebenSat.1-Sendergesellschaften im Zusammenhang mit der früheren Vermarktung von TV-Werbezeiten durch die SevenOne Media GmbH anhängig. Die Klagen von TM-TV und MTV/VIMN wurden jedoch inzwischen durch das Landgericht München I rechtskräftig abgewiesen. Das Oberlandesgericht München hat die Berufung der TM-TV zurückgewiesen. MTV/VIMN hat seine Berufung zurückgenommen, nachdem das OLG angekündigt hatte, diese ebenfalls zurückweisen zu wollen. Zugleich hat MTV/VIMN eine gegen die IP Deutschland angestrengte Klage zurückgenommen. In diesem Verfahren waren die SevenOne Media GmbH und die ProSiebenSat.1-Sendergesellschaften als Streithelfer der IP beteiligt.

§ 32a UrhG („Bestseller“). Auf Basis von §32a UrhG machen Urheber von TV-Sendungen gerichtlich und außergerichtlich Ansprüche gegen Unternehmen der ProSiebenSat.1 Group geltend. ProSiebenSat.1 hat zwischenzeitlich ein Modell für eine zusätzliche an Urheber und weitere Berechtigte nach § 32a zu zahlende Vergütung entwickelt und mit zwei Verbänden (Regie und Schauspiel) sog. „Gemeinsame Vergütungsregeln“ (§ 36 UrhG) vereinbart. Für diesen Themenkomplex wurde zum 31. Dezember 2013 eine Rückstellung in Höhe von 13,8 Mio Euro erfasst (31. Dezember 2012: 6,1 Mio Euro). Diese basiert auf bestmöglichen Schätzungen im Hinblick auf die aktuellen Verhandlungsstände. Wir halten den Eintritt dieses Risikos für sehr unwahrscheinlich. Sollte dieses Risiko dennoch eintreten, d.h. Zahlungen über den gebildeten Rückstellungsbetrag hinaus erforderlich werden, können wir erhebliche, einmalige Effekte auf unsere Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir stufen dieses Risiko daher als geringes Risiko ein.

Steuerliche Risiken im Zusammenhang mit der Veräußerung von Tochterunternehmen in Schweden. Die schwedischen Finanzbehörden haben die steuerliche Außenprüfung bei einer ehemaligen schwedischen Betriebsstätte der ProSiebenSat. 1 Group im Dezember 2013 abgeschlossen. Nach Auffassung der Finanzbehörden sind Zinszahlungen im Zusammenhang mit der Finanzierung von Anteilen an den ehemaligen TV- und Radiounternehmen der SBS-Gruppe in Schweden steuerlich nicht abziehbar. Der Abschlussbericht der Außenprüfung sieht daher im Ergebnis Nachzahlungen für die Veranlagungszeiträume 2008 bis 2011 in einer Gesamthöhe von ca. 31 Mio Euro vor. Für den Veranlagungszeitraum 2012, der noch nicht Gegenstand der Außenprüfung war, würden nach derselben Auffassung weitere Nachzahlungen in Höhe von rund 11 Mio Euro hinzukommen. Die ProSiebenSat.1 Group hat gegen die Steuerbescheide fristgerecht Einspruch erhoben. Die Aussetzung der Vollziehung der Bescheide wurde antragsgemäß Ende Januar 2014 gewährt. Nach derzeitigem Stand wird es voraussichtlich zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung vor dem schwedischen Verwaltungsgericht (Swedish Administrative Court) kommen. Die ProSiebenSat.1 Group hält nach wie vor eine tatsächliche Inanspruchnahme für nicht wahrscheinlich und wird in dieser Auffassung durch entsprechende Gutachten renommierter schwedischer Steuer- und Rechtsberater unterstützt. Eine Rückstellung wurde daher zum Bilanzstichtag nicht gebildet. Wir halten den Eintritt dieses Riskos für möglich. In diesem Fall können wir wesentliche, einmalige Effekte auf unsere Ergebnisentwicklung bis zu der oben genannten maximalen Gesamthöhe nicht vollständig ausschliessen. Insgesamt schätzen wir dieses Risiko als hohes Risiko ein.

Garantieansprüche aus dem Verkauf der belgischen TV-Aktivitäten. Mit Kaufvertrag vom 20. April 2011 hat die ProSiebenSat.1 Group ihre belgischen TV-Aktivitäten an die De Vijver NV („DV“) veräußert. Die ProSiebenSat.1 Media AG trat dabei als Verkäufergarant auf. Die DV hat Ansprüche gegen die Gesellschaft auf Schadenersatz aufgrund angeblicher Verletzungen gegen die im Kaufvertrag geregelte Bilanz- und Mietvertragsgarantie erhoben. Die vertraglich vereinbarte Haftungshöchstsumme aus sämtlichen Garantien beläuft sich auf insgesamt 19,8 Mio Euro. Auf Grundlage des derzeitigen Sachstands geht die Gesellschaft nicht davon aus, zu entsprechenden Zahlungen an die DV verpflichtet zu sein. Insofern wurden zum Stichtag 31. Dezember 2013 keine Rückstellungen gebildet. Wir halten den Eintritt dieses Riskos für sehr unwahrscheinlich. Sollte dieses Risiko dennoch eintreten, würde unser Ergebnis einmalig bis zu der oben genannten Haftungshöchstsumme belastet werden. Wir stufen dieses Risiko insgesamt als geringes Risiko ein.

Patentrechtliche Ansprüche. Die Kudelski-Gruppe behauptet, dass insbesondere Geschäftsaktivitäten der maxdome GmbH sowie der SevenOne Media GmbH ihr zustehende Patentrechte verletzen. Die Erfolgsaussichten im Hinblick auf die Geltendmachung etwaiger Ansprüche kann nach der derzeitigen Sach- und Kenntnislage nicht verlässlich beurteilt werden. Vor diesem Hintergrund wird die entsprechend gebildete Rückstellung für ausreichend erachtet. Wir schätzen den Eintritt dieses Risikos für wahrscheinlich ein. In diesem Fall können wir geringe negative Auswirkungen auf unsere Ergebnisentwicklung nicht vollständig ausschliessen. Wir bewerten dieses Risiko daher als mittleres Risiko.

Compliance-Risiken

Wesentliche SteuerungsmaßnahmenAllgemeine Compliance-Risiken: Konzernweite Compliance-Strukturen und gezielte Schulungen von Mitarbeitern

Sonstige rechtliche Risiken: Enge Zusammenarbeit mit Rechtsexperten
Die potentiellen finanziellen Folgen einzelner rechtlicher bzw. medienpolitischer Änderungen bzw. gesetzlicher Verstöße stufen wir aufgrund der teilweise großen Unterschiede der Compliance-Risiken unterschiedlich hoch ein.